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Das Bildnis des in seiner Ehre verletzten Papstes

 

Olga Doleśniak-Harczuk

Niezalezna.pl 12/02/2013

[Übersetzung – Krzysztof Żak]

 

Gestern hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel bei der Nachricht über Abdankung des Papstes Benedikt XVI. "höchsten Respekt" für seine Entscheidung zum Ausdruck gebracht und unter Bezugnahme auf den päpstlichen Auftritt im Bundestag 2011 betont, dass die Worte des Papstes sie noch lange begleiten werden. Der deutsche Papst, den für die konsequente Verteidigung des Glaubens, der Hoffnung und Liebe Millionen Menschen in aller Welt liebgewonnen haben, und die deutsche Kanzlerin, die nicht davor zurückschreckte, das Oberhaupt der katholischen Kirche in aller Öffentlichkeit zu ermahnen. Eine schwierige Beziehung. Es lohnt sich in Erinnerung zu bringen, wie schwierig sie war.

 

In 2009 wurde der Heilige Vater durch Angela Merkel öffentlich in seiner Ehre verletzt, was die deutschen Katholiken erschütterte. Die protestantisch erzogene Kanzlerin, die den Papst Benedikt XVI. wegen Rehabilitation des Bischofs Richard Williamson aus der Pius-Bruderschaft zur Rede stellte, hat die christlichen Demokraten in zwei Lager geteilt.

 

Der CDU-nahe Publizist Alexander Gauland verglich die Papstschelte der Kanzlerin zum Kulturkampf Bismarcks. Das von der antipäpstlichen Rede von Angela Merkel hervorgerufene Gewitter fand starken Widerhall in der ganzen Welt. Die deutschen Medien legten typisches für sie Verhalten an den Tag, als ob sie "gleichgeschaltet" wären, und lobten fast einstimmig den Eingriff der Kanzlerin. Der Zentralrat der Juden in Deutschland und das Internationale Auschwitz-Komitee sandten Briefe mit Gratulationen und Danksagungen für den mutigen Auftritt.

 

Was aber für gewisse Milieus ein Höchstmaß an Zivilcourage darstellte, war für andere der endgültige Bruch der CDU-Vorsitzenden mit christlichen Werten. Für 300.000 katholische Mitglieder der CDU und CSU ist der deutsche Papst, Pontifex Bavariae, die höchste Autorität.

 

Der Hochmut der Kanzlerin, die sich im Recht dünkte, das Oberhaupt der katholischen Kirche öffentlich zu rügen, ist nur eines der Symptome des Prioritätswechsels dieser Partei. Für viele traditionstreue Katholiken steht heute der Name Angela Merkel symbolisch für die Abkehr von den christlichen Wurzeln. Die besonnenen, der Tradition und der Kirche verbundenen CDU-Wähler können die Geduld verlieren.

 

"Als ob gerade wir [Deutschen] dazu berufen wären, anderen in Bezug auf den Umgang mit dem Holocaust Lehren zu erteilen" - schrieb mit Ironie Gauland im "Tagesspiegel" (09.02.2009).

 

Werner Münch, einer der führenden Politiker der CDU, ist nach 37 Jahren der Mitgliedschaft aus der Partei ausgetreten. Im Interview für die "Welt am Sonntag" (28.02.2009) machte er eine bittere Abrechnung mit der Vorsitzenden der CDU und der gegenwärtigen Linie der Partei. Der Angriff auf den Heiligen Vater war für ihn der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und ihn endgültig zum verlassen der CDU bewog.

 

Münch verurteilte kategorisch das Verhalten der Kanzlerin, indem er sagte: "Ich habe noch die Bilder in Erinnerung, als Papst Benedikt XVI. gesenkten Hauptes durch das ehemalige KZ Auschwitz lief und danach einem Journalisten sagte, das sei das erste Mal gewesen, dass er an seinem guten Gott gezweifelt hat. Dieser Papst hat es nicht verdient, von der Bundeskanzlerin in der Frage des Holocaust zu größerer Klarheit aufgefordert zu werden. Durch Frau Merkels Bemerkung ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, die Haltung des Papstes zum Holocaust sei nicht eindeutig. Das war doch unglaublich, das war eine Demütigung des Papstes. Was maßt sich die Kanzlerin an?"